Aktuelle Forschungsperspektiven

Historisches Lernen und das Anthropozän

Die Bezeichnung der Gegenwart als Anthropozän, einer Epoche also, in welcher der Mensch und sein Handeln als ein geologischer und ökologischer Faktor – wenn nicht sogar der entscheidende – betrachtet werden muss, ist längst nicht mehr alleiniger Gegenstand der Naturwissenschaften. Im historischen Lernen verschränken sich Vergangenheit und Gegenwart zusammen mit der Zukunft als Zeitdimensionen in der Fähigkeit zur Orientierung in der Zeit. Daher ist notwendig, den Zusammenhang zwischen Zeitbewusstsein und historischem Denken zu erforschen, insofern das Verstehen des Anthropozäns sowohl das Verstehen langer Zeiträume voraussetzt als auch das Bewegen innerhalb verschiedener disziplinärer Wissensfelder, die diese Zeiträume definieren.

Projektbezogene Publikationen:

  • Barsch, S./ Hübner, A. (2023): Concepts of Time in Science Education and History Didactics: Towards an Interdisciplinary Approach to Environmental History. In: Fink, N./ Furrer, M./ Gautschi, P. (Hrsg.): Why History Education? Frankfurt/M., 311–322 (im Open Access verfügbar).
  • Nitsche, M./ Hübner, A./ Barsch, S. (2023): Die Zeit(en) des Anthropozäns in gesellschaftswissenschaftlichen Lehrplänen. Potenziale und Grenzen. In: zeitschrift für didaktik der gesellschaftswissenschaften 2/2023, 45–62.
  • Hübner, A./ Nitsche, M./ Barsch, S. (2023): Diffundierende Zeit(en). Das Anthropozän als Herausforderung für das historische Zeitverstehen. In: Zeitschrift für Geschichtsdidaktik 22 (2023), 84–99.
  • Hübner, A./ Barsch, S. (2023/24, in Druck): Geschichtsbewusstsein und „Zeitbewusstheit“: Geschichtsdidaktische Überlegungen zum Begriff der Zeit im Anthropozän. In: van Norden, J./ Yildirim, L. (Hg.): Geschichtsbilder, Geschichtsbewusstsein, Zukunft (Geschichtsdidaktik theoretisch 6). Frankfurt/M.
Vorträge:
  • Historical Consciousness and “Timefulness”: Reflections on “Time” and History Education in the Anthropocene (mit Andreas Hübner): EBAN 2024 conference, 25. Januar 2024.
  • Vom Anthropozän erzählen – braucht es dafür historische Kompetenzen? Tagung "geschichtsdidaktik empirisch 2023" Basel, 8. September 2023.
  • Environmental history interdisciplinary: judgements between historical and scientific competencies. Online Konferenz der ISHD, 16. September 2021.
  • Interdisciplinary perspectives on environmental history: concepts of time in science education and history didactics. HEIRNET online conference, 1. September 2021
Forschungsprojekt:

    Historisches Lernen und Materielle Kultur

    Im Zuge der Etablierung des »New Materialism« wird die Bedeutung von Objekten für menschliche Gesellschaften neu verhandelt. Welches Potenzial dieser Neue Materialismus für Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik hat, ist bisher nur ansatzweise ausgelotet worden. Wenn Sachquellen jedoch nicht nur als passive Überreste gedeutet werden, sondern auch als Akteure der Gegenwart, können sie historische Reflexionen inspirieren. Im Forschungsschwerpunkt werden theoretisch und empirisch Fragen nach dem Stellenwert von Dingen und Objekten für das historische Denken und Lernen aufgeworfen.

    Projektbezogene Publikationen:
    • Barsch, S./ Leinung, S. (Hg., 2023): erinnern_zerstören_gestalten. Denkmäler im interdisziplinären Diskurs. (=Think! Historically: Teaching History and the Dialogue of Disciplines, Bd. 4). Kiel. Online verfügbar.
    • Mathis, Chr./ Barsch, S. (2022): Wie Grundschulkinder über das Geschichtszimmer von Playmobil© nachdenken. In: GDSU-Journal (H. 13, 3/2022), 38–49. Online verfügbar.
    • Barsch, S. (2021): Luxus in Pink? Playmobilprinzessinnen, Geschlechtervorstellungen und Geschichtsbewusstsein. In: Kühberger, Chr. (Hg.): Mit Geschichte spielen. Zur materiellen Kultur von Spielzeug und Spielen als Darstellung der Vergangenheit. Bielefeld,157–178.
    • Barsch, S. (2021): Objekte und Geschichte(n): Materielle Kultur und subjektorientiertes historisches Lernen. In: Hellmuth, Th./ Ottner-Diesenberger, Chr./ Preisinger, A. (Hg.): Was heißt subjektorientierte Geschichtsdidaktik? Beiträge zur Theorie, Empirie und Pragmatik. Frankfurt/M., 58–73.
    • Barsch, S. (2021): Was haben die Dinge mit historischem Denken zu tun? In: Deile, L./ Riedel, P./ van Norden, Jörg (Hg.): Brennpunkte heutigen Geschichtsunterrichts. Joachim Rohlfes zum 90. Geburtstag. Frankfurt/ M., 233–237.
    • Barsch, S./ Degner, B. (2021): Dis/ability in Objekten: Ein Beitrag für inklusives historisches Lernen. In: Musenberg, O./ Koßmann, R./ Ruhlandt, M./ Schmidt, K./ Uslu, S.: Historische Bildung inklusiv. Zur Rekonstruktion, Vermittlung und Aneignung vielfältiger Vergangenheiten. Bielefeld, 273–291.
    • Barsch, S./ Zehnle, St. (2020): Haptische Irritationen – Eine postkoloniale Didaktik der Objekte. In: Barsch, S./ van Norden, J. (Hg.): Historisches Lernen und Materielle Kultur. Von Dingen und Objekten in der Geschichtsdidaktik. Bielefeld, 185-202. DOI:10.14361/9783839450666-012
    • Barsch, S./ van Norden, Jörg (Hg., 2020): Historisches Lernen und Materielle Kultur. Von Dingen und Objekten in der Geschichtsdidaktik. Bielefeld. Online verfügbar.
    • Barsch, S./ Mathis, Ch. (2020): ‘With these exhibits many interesting things can be learned about past times’ – Playmobil®’s History Class. Representations, Reflections, and Expectations. In: History Education Research Journal 17 (2) 17 (2), 151–63. DOI https://doi.org/10.18546/HERJ.17.2.02

    'Leichte Sprache' und historisches Lernen 

    Mit der so genannten „Leichten Sprache“ wird seit einigen Jahren das Ziel verfolgt, kognitiv beeinträchtigten Menschen einen barriereärmeren Zugang zu Texten zu ermöglichen. Auch in der Geschichtsdidaktik gibt es verschiedene theoretische Ansätze und empirische Arbeiten, die sich mit "Leichter Sprache" befassen. Das Projekt verfolgt das Ziel, diese Sprachvarietät hinsichtlich der Förderung von historischer Teilhabe zu untersuchen.

    Projektbezogene Publikationen:
    • Barsch, S. (2022): Leichte Sprache – eine leichte Methode zum Erfassen historischer Quellen? In: Handro, S./ Schönemann, B. (Hg.): Sprachsensibler Geschichtsunterricht. Geschichtsdidaktische Forschungsperspektiven und -befunde. Münster, 103–123.
    • Barsch, S./ Petersen, I. (2022): Förderung sprachdiagnostischer Kompetenzen in der diversitätssensiblen Lehrer*innenbildung: Fokus Geschichtsdidaktik. In: Oleschko, S./ Grannemann, K. /Szukala, A. (Hrsg.): Diversitätssensible Lehrer*innenbildung. Theoretische und praktische Erkundungen. Münster, 57-72. Online verfügbar.
    • Barsch, S. (2020): Über Quellen sprechen – in der eigenen Sprache. In: Sandkühler, Th./ Bernhardt, M. (Hg.): Sprache(n) des Geschichtsunterrichts. Sprachliche Vielfalt und Historisches Lernen. Beihefte zur Zeitschrift für Geschichtsdidaktik, Band 21. Göttingen, 215-232.
    • Barsch, S. (2020): Was steht da? Übersetzen von Quellen als Prozess historischer Sinnbildung – Feldforschung in einem Förderzentrum. In: Kühberger, Chr. (Hg.): Ethnographie und Geschichtsdidaktik. Frankfurt/M., 117-135.
    • Barsch, S. (2019): „Leichte Sprache“ als Reflexionsanlass – ein inklusiver Workshop zur Geschichte der Special Olympics. In: Zeitschrift für Didaktik der Gesellschaftswissenschaften 1/2019, 113-125.
    • Barsch, S./ Leinung, S. (2019): „Leichte Sprache“. Vom Übersetzen zur historischen Sinnbildung. In: Geschichte Lernen (190), 10-15.

    Professionalisierung von Geschichtslehrpersonen

    In den letzten Jahren ist die Erforschung von Professionalisierungsprozessen angehender Geschichtslehrkräfte auch in den Fokus der Geschichtsdidaktik geraten. Erforscht wird auch die Wirksamkeit der verschiedenen Phasen universitärer Bildung angehender Geschichtslehrpersonen, etwa den Praxisphasen im Studium. Insbesondere diese Praxisphasen sind Gegenstand verschiedener Forschungsarbeiten an der Abteilung Didaktik der Geschichte der CAU Kiel.

    Projektbezogene Publikationen:
      • Barsch, S. (2024): Professionell Geschichte unterrichten. Ansätze, Forschungsperspektiven und Diskussionen. In: geschichte für heute 2 (2024), 5–14.
      • Barsch, S./ Barte, B. (Hg., 2021): Motivation – Kognition – Reflexion. Schlaglichter geschichtsdidaktischer Professionsforschung. Frankfurt/ M. Darin: Barsch, S./ Glutsch, N.: Berufswahlmotivation und fachliche Überzeugungen von angehenden Geschichtslehrer:innen, 36–56.
      • Barsch, S./ Plessow, O. (Hg., 2020): Universitäre Praxisphasen im Fach Geschichte – Wege zu einer Verbesserung der Lehramtsausbildung? Berlin. Darin: Barsch, S.: Einfluss des Praxissemesters auf fachliche Reflexionen von Lernsituationen, 147–165. Online verfügbar.
      • Barsch. S./ Glutsch, N. (2019): GeschichtslehrerIn werden: Berufswahlmotivation über Portfolio-/Reflexion erfahren. In: Waldis, M./ Ziegler, B. (Hg.): Forschungswerkstatt Geschichtsdidaktik empirisch 17. Bern, 57-70.
      • Barsch, S./ Burghard, B. (2019): „Es bereitet sie vor, an den richtigen Stellen zu staunen, wenn sie die Tageszeitung lesen“  – Historisches Fachwissen aus Perspektive von Mediävist*innen. In: Zeitschrift für Geschichtsdidaktik 18 (2019), 78-96. Online verfügbar
      • Glutsch, N./ Barsch, S. (2017): Berufsbiografische Reflexion im Schulpraktikum – Eine Analyse schriftlicher E-Portfolioelemente von Lehramtsstudierenden. In: Lehrerbildung auf dem Prüfstand (10) 1, 67-90.
      • Barsch, S./ Massumi, M. (2017): Vielfalt „lernen“? Praxisphasen für eine inklusive Lehrer*innenbildung. In: journal für lehrerInnenbildung 17 (2017), 28-32.
      • Barsch, S. (2016): Förderung der inklusiven Haltung bei angehenden Geschichtslehrkräften durch universitäre Praxisphasen. In: Kühberger, Chr./ Schneider, R.  (Hg.): Inklusion im Geschichtsunterricht. Zur Bedeutung geschichtsdidaktischer und sonderpädagogischer Fragen im Kontext inklusiven Unterrichts. Bad Heilbrunn, 121-135.
      • Barsch, S./ Glutsch, N. (2016): Der reflektierende Blick auf Praxis. Empirische Befunde zum Kölner Portfoliomodell. In: Boos, M./ Kricke,M./ Krämer, A. (Hg.): Portfolioarbeit phasenübergreifend gestalten – Konzepte, Ideen und Anregungen aus der LehrerInnenbildung. Münster, 54-65